Die letzten Wochen war ich viel unterwegs. Ein Panel hier, ein Q\&A dort. Und abends liege ich oft noch im Bett und denke darüber nach, wie es gelaufen ist. Jedes Mal kommt derselbe Gedanke danach: War ich gut genug? Dabei gab es oft positive Rückmeldungen. Besonders von Girls, die sich bei mir bedankt haben. Trotzdem blieb mein Blick meistens an den Dingen hängen, die nicht perfekt waren. Beispielsweise an einem Satz, den ich anders hätte formulieren können. Als würde all das andere plötzlich nicht mehr zählen. Irgendwann ist mir bewusst geworden, wie automatisch das passiert. Jemand sagt etwas Nettes, und noch bevor ich mich darüber freuen kann, suche ich nach dem Haken. Nicht laut, sondern in meinem Kopf. Ich frage mich, ob das Lob wirklich verdient ist oder ob ich etwas übersehe. Dabei liegt das Problem nicht bei dem Kompliment, sondern darin, dass ich es sofort wieder infrage stelle.

Das war nicht immer so. Vor Kurzem musste ich an die Luisa denken, die damals im Mädchenhaus war und von diesem Leben geträumt hat. Sie hätte ganz bestimmt nicht nach so einem Panel gefragt, ob alles perfekt lief. Sie hätte einfach nur gestaunt. Darüber, dass aus einem Wunsch irgendwann Realität geworden ist. Wahrscheinlich hätte sie jedem davon erzählt. Ich fahre stattdessen nach Hause und denke an die eine Stelle, die nicht perfekt war. Und vielleicht liegt genau darin das Problem. Wir erreichen selten zu wenig. Wir gewöhnen uns nur zu schnell daran. Und ist das nicht irgendwie absurd? Dass wir uns jahrelang etwas wünschen und es kaum noch sehen, sobald es plötzlich unser Alltag ist?

Genau dieser Blick auf das, was noch fehlt, statt auf das, was bereits da ist, kommt oft nicht von ungefähr. Viele von uns Mädchen lernen früh durch patriarchale Strukturen, den eigenen Erfolg kleiner zu machen. Bloß nicht unbequem zu sein. Wir denken an das, was noch fehlt, statt kurz stehen zu bleiben und zu sehen, was wir schon geschafft haben. Ein Kompliment einfach stehen zu lassen, fällt deshalb manchmal schwerer, als man denkt. Es einfach anzunehmen, ist deshalb auch eine leise Rebellion gegen das System.

Vielleicht müssen wir nicht jeden Moment überlegen, was noch besser werden könnte. Vielleicht dürfen wir manchmal einfach sehen, was wir schon geschafft haben. Was wäre also, wenn wir nicht immer nach dem Aber suchen?