Es verging kein Tag in der Mittelstufe, an dem ich nicht neidisch war. Neidisch auf die Kleidung der anderen aus der Schule, auf ihre neuesten Handys, auf all das, was sie hatten und ich nicht. Lange dachte ich, mir würde etwas fehlen, um mithalten zu können. Als ich dann angefangen habe, neben der Schule genug Geld zu verdienen, wollte ich das nachholen. Durch die Arbeit fühlte sich dieser Konkurrenzkampf gegen mich selbst gewinnbar an, denn plötzlich standen Sachen in meinem Zimmer, die vorher nur anderen gehörten. Kurz fühlte sich dieses Shoppen gut an, aber es hielt nie lange, denn kaum war das eine da, kam schon der nächste Trend. Erst später habe ich verstanden, dass es mir dabei nie wirklich um die Sachen ging. Sondern um das Gefühl dahinter. Um die Angst nicht genug zu sein. Denn wie so oft: Erst wollen wir etwas unbedingt, dann verliert es wieder an Bedeutung.

Social Media verstärkt dieses Gefühl. Ein kurzer Klick auf eine Insta-Story reicht und der Eindruck entsteht, dass etwas im eigenen Leben fehlt. Einkaufen wird dadurch oft weniger eine Entscheidung als eine Reaktion auf Unsicherheit, weil es kurzfristig das Gefühl erzeugt, näher an der Version von sich selbst zu sein, die man gern wäre. Genau deshalb habe ich angefangen, bewusster mit meinem Konsumverhalten umzugehen. Denn das Prinzip bleibt nicht beim Einkaufen stehen. Es taucht auch in anderen Bereichen auf, bei Lebenswegen, Leistung und im Vergleich mit anderen Lebensentwürfen.

Statt immer mehr, einfach mal weniger ist zu meinem Motto geworden. Ich kaufe Dinge weniger impulsiv, gebe sie weiter oder spende sie, wenn ich sie nicht brauche. Vieles davon verschiebt nämlich den Blick weg von dem, was eigentlich schon da ist. Klarheit entsteht selten durch mehr. Oft entsteht sie durch weniger. Vielleicht fehlt uns also gar nicht so viel, wie uns ständig erzählt wird. Denn was wäre, wenn weniger genau richtig ist?