Anlässlich des Weltgesundheitstags rückt die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verstärkt in den Fokus. Der Kinder- und Jugendreport 2025 der DAK zeigt einen deutlichen Anstieg von Angststörungen bei Jugendlichen. Besonders betroffen sind Mädchen1: Im Jahr 2024 waren 67 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren aufgrund einer Angststörung in Behandlung. Seit 2019 ist ein Anstieg von 53 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl chronischer Angststörungen bei Mädchen mit einem Zuwachs um 106 Prozent. Als mögliche Ursachen nennt die Studie vor allem globale Krisen, Zukunftsängste, fehlende soziale Kontakte als „Erbe der Pandemie“ und Leistungsdruck. Diese Einordnung greift aus Sicht von Anna & Hannah e.V. jedoch zu kurz.

„Die Zahlen zeigen eine massive Belastung – aber die Frage, warum insbesondere Mädchen betroffen sind, bleibt weitgehend unbeantwortet“, so Anna-Lena Reiferscheid, Vorständin bei Anna & Hannah e.V. „Ohne eine geschlechtersensible Perspektive besteht die Gefahr, strukturelle Ursachen zu übersehen.“

Mädchen sind häufiger von spezifischen Belastungslagen betroffen. Bereits im Kindesalter erleben sie verstärkt Gewalt, rund 75% der Opfer im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern waren im Jahr 2024 Mädchen2. Während der Pandemie waren sie im häuslichen Umfeld vermehrt häuslicher Gewalt ausgesetzt, gleichzeitig steigen die Zahlen zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen insgesamt stetig an3. Diese Erfahrungen werden bisher nicht systematisch in bestehenden Hilfestrukturen berücksichtigt. Aus Sicht des Vereins braucht es daher eine stärkere Verknüpfung von psychischer Gesundheit von Mädchen mit Fragen von Gewalt und Geschlecht.

„Die aktuellen Zahlen zeigen eine massive Zunahme psychischer Belastungen bei Mädchen. Damit stellt sich auch die Frage, wie gut bestehende Schutz- und Unterstützungssysteme – insbesondere im Jugendamt – auf diese Entwicklungen reagieren“, so Hanna Kopahnke, Vorständin bei Anna & Hannah e.V.

Über Anna & Hannah e.V.

Anna & Hannah e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der Mädchen und junge Frauen zu Themen wie Gewalt, digitale Lebenswelten und Selbstbestimmung informiert und berät.