Zwischen den Jahren war ich viel zu Hause. Vor allem lag ich im Bett und dachte über alles nach, was passierte. Damit ich das auch gut tun konnte, hatte ich mir extra keine Termine gelegt und vermied Ablenkung. Ich wollte einfach da sein und hören, was hochkommt. Besonders abends, wenn es draußen früh dunkel wurde und alles still war. Ich und meine Gedanken.
Je länger ich da lag, desto mehr sammelte sich alles, was nicht geklappt hatte. In diesen Momenten dachte ich beispielsweise daran, dass ich dieses Jahr weniger Sport gemacht habe, als ich mir irgendwann einmal vorgenommen hatte. Daran, dass ich viele Ideen hatte, die sich wichtig angefühlt haben und dann irgendwo stecken geblieben sind. Daran, dass Dinge oft nicht so gelaufen sind, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Also basically an alles, was fehlte. An das Gute hingegen dachte ich kaum. Nicht an das, was ich erreicht habe, zum Beispiel diese Kolumne. Stattdessen habe ich gemerkt, dass mein Kopf viel lieber zählt, was nicht da ist, als das, was längst passiert ist. In den Jahren davor hätte ich aus genau diesem Ungleichgewicht eine Neujahrsvorsätze-Liste gemacht. Ich hätte alles, was sich nach Mangel angefühlt hat, umformuliert in Forderungen an mich selbst, um sie nächstes Jahr zu beheben. Heißt: Mehr Sport, mehr Routine, mehr Disziplin.
Irgendwann ertappte ich mich dann dabei, wie ich zum Schreibtisch ging, den Stift in der Hand, bereit, diese Vorsätze aufzuschreiben. Aber ich erinnerte mich daran, dass ich das schon viele Jahre zuvor versucht hatte und dass es auch da nicht funktionierte, weil es Vorsätze waren, die in meinem Alltag nicht gepasst haben. Denn das Wichtigste an Zielen ist ihre Realisierbarkeit. Wenn diese nicht gegeben ist, wird es umso schwieriger, diese umzusetzen.
Ich weiß aber auch, dass es Menschen gibt, die ihre Vorsätze durchziehen und das ist völlig okay! Durch diesen Prozess ist mir allerdings aufgefallen, dass alles, was ich heute erreicht habe, klein angefangen hat ohne einen starren Fahrplan. Oft als eine Entscheidung an einem ganz normalen Tag. Und genau deshalb ist es mir so wichtig, mich immer wieder selbst zu fragen: Passt das Ziel, das ich letztes Jahr hatte, überhaupt noch zu dem Menschen, der ich jetzt bin?
Diese Frage stelle ich mir nicht nur im Januar, sondern immer dann, wenn ich Orientierung brauche. Denn was wäre, wenn wir statt auf Vorsätze mehr Aufmerksamkeit auf das legen, was gerade da ist? Denn nur weil ein Kalenderblatt neu ist, muss das Leben nicht neu sein. Veränderung beginnt nicht nur am 1. Januar, sie beginnt in dem Moment, in dem wir uns für sie entscheiden. Nämlich jederzeit.
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