Aktuell ist der Weg in die Sitzungsräume des Rathauses nicht so einfach wie sonst. Denn egal welche Route ich nehme, irgendwann stehe ich immer inmitten des Weihnachtsmarkts voller Menschenmassen.
Ich nenne das die Kunst des Umgehens, obwohl man im Dezember kaum etwas umgehen kann. Einfach weil die Weihnachtszeit einen hohen Stellenwert in diesem Land hat. Und das soll sie auch. Es fällt mir nur jedes Jahr neu auf, dass die Zeit, die offiziell der Besinnlichkeit gehört, die Zeit ist, in der Menschen am stärksten unter Spannung stehen.

Für mich beginnt jetzt eine Phase, die sich im Vergleich dazu leicht anfühlt. Ich habe mich selbst nie als Teil dieser Tradition erlebt. Das liegt weniger an einer bewussten Entscheidung, als an meinem kulturellen Hintergrund, der sich außerhalb Deutschlands verortet. Meine eigenen Rituale sind nicht an bestimmte Daten gebunden, sondern an Erfahrungen, die sich nicht planen lassen. Ich freue mich nicht auf ein festes Datum, sondern auf Ruhe. Auf das Alleinsein, das nichts mit Einsamkeit zu tun hat.
Diese Ruhe ermöglicht mir einen Dialog mit mir selbst, der nur entsteht, wenn es um mich herum still genug wird. Dann tauchen Fragen auf, die im Rest des Jahres untergehen. Luisa, wie geht es dir wirklich? Wohin willst du im nächsten Jahr? Was war schwer, was war gut? Keine dieser Fragen ist angenehm. Sie bringen zuerst Unruhe, bevor sie Klarheit schaffen. Denn nicht alles, was sich am Anfang schwer anfühlt, bleibt es auch.

Rituale strukturieren Menschen, weil sie Zugehörigkeit schaffen. Gleichzeitig sind sie Konstruktionen, die nicht automatisch jede Lebensrealität einschließen. Der Sinn eines Rituals hängt davon ab, ob man sich von ihm bewegen lässt. Für mich passiert das nicht. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich in diesen Tagen eine besondere Freiheit spüre. Auch das Schenken folgt für mich keinem äußeren Kalender. Zuneigung war für mich nie an ein Datum gebunden. Wenn ich jemandem etwas gebe, dann, weil ich es möchte, nicht weil es erwartet wird.

In dieser Zeit denke ich oft an Menschen, die dieses Fest nicht feiern. Manche entscheiden sich bewusst dagegen. Andere trauern. Wieder andere haben einfach keine Lust. Es gibt unzählige Gründe, sich nicht in diesen Rhythmus einzufügen. Keiner von ihnen braucht eine Rechtfertigung. Für mich bedeutet es, diese Zeit so zu gestalten, wie ich sie gestalten möchte, und das ist für mich das größte Geschenk überhaupt.