Ein Gespräch mit Prof. Dr. Daniela Cornelia Stix über Chancen, Herausforderungen und Wünsche für die Soziale Arbeit im digitalen Raum
Instagram, TikTok, Snapchat – für viele Mädchen und junge Frauen gehören Soziale Medien zum Alltag wie Schule oder Freunde. Doch was bedeutet das für die Soziale Arbeit? Wie können Fachkräfte junge Menschen dort erreichen, wo sie tatsächlich unterwegs sind? Und was wissen wir eigentlich aus der Forschung?
Wir haben Prof. Dr. Daniela Cornelia Stix von der BTU Cottbus-Senftenberg getroffen – sie ist Professorin für Soziale Arbeit und forscht unter anderem zu digitalen Medien im sozialpädagogischen Kontext.
Frau Stix, was weiß die Wissenschaft darüber, welche Soziale Medien Mädchen[1] und junge Frauen in ihrem Alltag nutzen und zu welchem Zweck?
Tatsächlich unterscheidet sich die alltägliche Mediennutzung von weiblichen und männlichen Personen. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest befragt jährlich rund 1200 junge Menschen im Alter von 12 bis 19 Jahren zu ihrer Mediennutzung. Mit Hilfe dieser Daten lässt sich aufzeigen, dass Mädchen und junge Frauen im Jahr 2022 deutlich häufiger als Jungen und junge Männer die Apps Instagram, Tiktok und Snapchat nutzten. Diese haben, im Gegensatz zu YouTube und Spotify, die ebenfalls beliebt sind, den typischen Charakter von Social Media, der es zwar auch ermöglicht, sich passiv unterhalten zu lassen, darüber hinaus kann man sich aber aktiv einbringen und miteinander kommunizieren.
Wie unterscheidet sich Beratung mittels Sozialen Medien von der klassischen Onlineberatung?
Grundsätzlich ist es schwierig zu sagen, dass es DIE Onlineberatung gibt. Auch Onlineberatung ist vielfältig und findet beispielsweise in Chats synchron statt, also zeitgleich, oder per Email asynchon, also mit zeitlichem Abstand zwischen den einzelnen Nachrichten. MessengerApps ermöglichen zum Beispiel beides, je nachdem wie man Messenger für sich nutzt. Social Media sind jedoch strukturell vor allem dadurch anders, dass sie auf Profilen basieren. Das heißt in der Beratung, dass die Ratsuchenden, neben den explizit mitgeteilten Informationen in der Nachricht, immer auch zahlreiche implizite Infos aus ihrem Leben durch die Profile übermitteln. Es ist dann eine Frage der Professionalität der Fachkraft, wie sie damit umgeht.
Was wünschen Sie sich von der Sozialen Arbeit in Bezug auf Soziale Medien?
An manchen Punkten und hinsichtlich einiger Fragen und Herausforderungen habe ich den Eindruck, dass in den letzten 10 Jahren nicht viel passiert ist. Ich würde mir wünschen, dass zum Beispiel im Hinblick auf die rechtlichen Hürden eine konstruktive Auseinandersetzung erfolgt und dass die Lösungsfindung unter partizipativem Einbezug der Adressat:innen im Allgemeinen und von jungen Mädchen und jungen Frauen im Speziellen erfolgt.
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